Claudia Uhrig Inspiration

Zeit

Es ist alles eine Frage der Zeit

Wie ist dein Verhältnis zur Zeit? Hast du viel Zeit oder rinnt dir die Zeit oft durch die Finger? 

Dieses Mangelgefühl wenn es um die Zeit geht kenne ich nur zu gut. Wenn man es genau nimmt, existiert Zeit eigentlich nur in unseren Köpfen. Wir bestimmen, wie Zeit sich anfühlt. Das ist auch der Grund warum Zeit manchmal nicht zu vergehen scheint und dann wieder einfach nicht genug davon da ist. Manches fühlt sich schon so weit weg in der Vergangenheit an, die Zukunft in weiter Ferne, wie ein Ziel das es zu erreichen gibt. Aber auch die Zukunft wird irgendwann “Jetzt” sein und dann wird sie zur Vergangenheit. Wir jagen der Zeit hinterher, lassen uns von ihr einengen, als ob es etwas zu erreichen oder bestreiten gibt. 

Wenn du meditierst, dann hast du vielleicht schonmal dieses unendliche Gefühl gehabt einfach nur präsent und im “Jetzt” zu sein. Verankert in genau diesem Moment deiner Erfahrung, ohne einen Gedanken an die Zukunft oder Vergangenheit. Denn nur dort existiert “Zeit”. Wie Eckart Tolle sagt: „Zeit ist überhaupt nicht kostbar, denn sie ist eine Illusion. Was dir so kostbar erscheint, ist nicht die Zeit, sondern der einzige Punkt, der außerhalb der Zeit liegt: das Jetzt. Das allerdings ist kostbar.”

 

Was glaubst du was passiert, wenn wir uns ständig sagen, dass wir keine Zeit haben? Richtig, wir werden genau diese Erfahrungen weiter in unserem Leben kultivieren. Wollen wir das? Gerade in den letzten Jahrzehnten scheinen wir irgendwie den Kontakt zur Zeit verloren zu haben. Alles ist schnell und noch schneller und sollte schon lieber gestern als heute erledigt sein. Die Digitalisierung könnte uns das Leben leichter und entspannter machen. Häufig hat sie allerdings eher den gegenteiligen Effekt und wir nutzen die Möglichkeiten, um einfach noch mehr in die Zeit zu quetschen. Waren die Menschen früher glücklicher als man noch Briefe schreiben musste? Ich weiß es nicht… aber ich war in Deutschland definitiv mitten drin im Zeitkarussell und in diesem Artikel möchte ich mit dir teilen, wie sich mein Verhältnis zur Zeit in den letzte Jahren verändert hat. 

 

Ich liebe es zu arbeiten, aber ich liebe es auch einfach abzuhängen und aufs Meer zu starren.

 

Denn hier auf Korfu habe ich ein ganz anderes Gefühl zu meiner Zeit entwickelt. Als ich hierher zog hab ich mich oft gefragt, ob ich irgendwelche Aufgaben vergessen habe, weil ich auf einmal so viel mehr Zeit zur Verfügung hatte. Ich arbeitete nicht unbedingt viel weniger, aber vorher habe ich einfach unfassbar viel Lebenszeit im Auto verbracht, um von A nach B zu fahren und Parkplätze zu suchen. Um möglichst viel zu schaffen und immer beschäftigt zu sein habe ich mir meine Terminkalender voll geknallt und ob die Yogastunde die ich noch dazwischen quetschen konnte dann noch so viel zu meinem Wohlbefinden beigetragen hat? Obwohl ich darin aufgehe zu arbeiten und Dinge zu erschaffen, habe ich mich zu einem Sklaven der Zeit gemacht. 

 

Genau so wie wir nicht Sklaven unserer Gedanken sein müssen, wie ich das im letzten Artikel beschrieben habe, müssen wir auch nicht der Zeit ausgeliefert sein. Was ist, wenn wir es einfach mal umdrehen und uns die Zeit bewusst einteilen? Mit Raum für die Arbeit und genau so viel Platz für das Nichtstun, um das Leben und seine Wunder zu erfahren? Denn letztendlich sind wir hier, um das Leben zu erfahren und nicht irgendein Ziel zu erreichen? Diesen Platz hatte ich lange Zeit nicht, denn der Monate im voraus durchgeplante Kalender der mir Flexibilität schenken sollte, wurde zu einem starren Gefängnis. Das Leben sollte nicht nur in deinem Jahresurlaub staffinden, oder?

 

Hier auf der Insel durfte ich ein völlig neues Zeitgefühl kultivieren. Nicht zuletzt weil auf Inseln im Allgemeinen und auch generell in Südeuropa und hier in Griechenland, die Menschen gemächlicher leben. Mein neues Zuhause war ein guter Lehrer, denn ich brauchte auch erst eine Weile, aus meinem deutschen, konditionierten Verhalten auszusteigen. Mich daran zu gewöhnen, dass immer Zeit für einen Kaffee ist und 10 Minuten zu spät, noch pünktlich sind. Wie oft dachte ich früher, wenn Menschen zu spät kamen, sie „stehlen“ meine Zeit. Jetzt denke ich mittlerweile – DANKE für die geschenkte Zeit. Wenn alle so leben, dann fließt man automatisch viel entspannter durch den Tag als mit Blick auf die Uhr zu hetzen. 

 

Je weniger ich auf die Uhr schaue, desto mehr bin ich in „meinem“ Zeitplan. Manchmal stehen wir knapp vor Abfahrt in die Stadt auf und wenn ich dann nervös auf die Uhr schaue, dann wird es definitiv zu knapp. Wenn ich jedoch entspannt bleibe und eins nach dem anderen mache wie immer, dann sitzen wir alle pünktlich zur Abfahrt und gut gelaunt im Auto. 

 

Dein Verhältnis zur Zeit zu verändern braucht Geduld und etwas Mut

 

“…es macht keinen Sinn an einem Grashalm zu ziehen, davon wächst er nicht schneller….” alles braucht seine Zeit. 

 

Oft bauen wir unnötigen Druck auf bei Dingen, die wir so oder so nicht ändern können. Wir sollten einfach das tun was in unseren Möglichkeiten liegt und es dann loslassen und uns in Geduld üben. Meiner Erfahrung nach braucht es für alles den richtigen Zeitpunkt und der ist nicht immer dann, wenn wir es uns wünschen. 

 

Was denkst du das geschieht, wenn du dir einmal Zeit erlaubst und sie in dein Leben einlädst? Einfach mal weniger zu planen, flexibel zu bleiben und Raum für ungeplante Wunder zu lassen? Seit mutig und gib ein wenig dieser vermeintlichen Kontrolle ab.

Und ja, unser Zeitgefühl ist je nach Lebensumgebung anders – keine Frage. In Hamburg habe ich schon damit begonnen, mir bewusst immer mehr freie Zeiten einzuräumen. Weniger Termine zu planen, mehr fußläufig erreichbare Verabredungen und mehr Raum für Spontanität zu lassen. Dadurch hatte ich weniger Druck auf meinen Schultern und wirklich Zeit für all die Begegnungen. Manchmal sind es schon kleine Veränderungen und vermeintliche Verpflichtungen die wir anpassen, wodurch sich ein großer neuer Raum öffnet. 

 

Dabei kann es auch helfen, auf deine Wortwahl zu achten: Vermeide die Formulierung “ich habe keine Zeit”, denn das erzeugt nur Stress. Wandle die Aussage um: “Ich habe alle Zeit die es braucht.” Frage dich ganz ehrlich, wieviel Zeit brauchst du für dich? Wieso ist vielleicht jeder Tag so voll? Wie ist es einfach mal nichts zu tun? Gibt es Glaubenssätze oder Überzeugungen die es dir nicht erlauben nichts zu tun? Geht die Welt wirklich unter, wenn du zu spät kommst? 

 

Am Ende des Lebens geht es doch darum, dass wir jede Sekunde in unserem Leben genossen haben und gelebt haben oder? Wenn ich spüre ich bin auf dem Laufband und renne, renne, renne besser gesagt im Hamsterrad, dann frage ich mich immer wofür… 

 

Kennst du die Geschichte mit dem Fischer und dem Geschäftsmann? 

 

Eines Tages steht ein Geschäftsmann am Pier in einem kleinen Dorf und beobachtet einen Fischer in einem kleinen Kahn, wie er einen riesigen Thunfisch gefangen hat.

 

Der Geschäftsmann fragt den Fischer, wie viel Zeit er braucht, um so einen großen Fisch zu fangen.

Nur ein paar Stunden, nicht mehr, – antwortet der Fischer.

 

Warum bleibst du nicht länger und fängst mehrere Fische? – wundert sich der Geschäftsmann. Ein Fisch reicht mir, um meine Familie für morgen zu versorgen. – sagt der Fischer.

 

Was machst du sonst den ganzen Tag? – lässt der Geschäftsmann nicht nach.

 

Ich schlafe bis zum Mittag, dann gehe ich paar Stunden fischen, dann spiele ich mit meinen Kindern, danach gehe ich im Dorf spazieren. Abends trinke ich Wein mit meinen Freunden und spiele Gitarre. Sehen Sie – ich genieße mein Leben. – erklärt der Fischer.

 

Ich habe studiert, – sagt der Geschäftsmann, – und ich helfe dir. Du machst alles falsch. Du musst den ganzen Tag fischen und dir ein großes Boot kaufen! Und dann? – fragt der Fischer.

 

Du wirst noch mehr Fische fangen und kaufst dir mehrere Boote. Eines Tages hast du deine eigene Flotte. Und dann?

 

Dann wirst du den Fisch nicht an den Großhändler verkaufen, sondern direkt an die Fabrik. Du erhöhst deinen Gewinn, ziehst in eine Großstadt und eröffnest deine eigene Fabrik.

Und wieviel Zeit brauche ich dafür? 15 bis 20 Jahre. – Und was dann?

 

Und dann, – lächelt der Geschäftsmann, – dann kommt das Angenehmste. Du verkaufst deine Fabrik und wirst sehr reich.

 

Und dann?

 

Dann hörst du auf zu arbeiten, ziehst in ein kleines Dorf am Meer, wirst bis zum Mittag schlafen, ein bisschen fischen, mit deinen Enkelkindern spielen, im Dorf spazieren gehen, abends mit deinen Freunden Wein trinken und Gitarre spielen.

 

Diese Geschichte zeigt, dass mehr nicht immer besser oder einfacher bedeutet. Es geht darum, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Wie möchte ich jetzt, in diesem Moment leben? Warum müssen wir bis zur Rente warten, um unsere Leben zu leben? Dafür wurde uns doch die Lebenszeit nicht geschenkt? Es ist gut zu wissen, was im Leben wirklich wichtig ist und unsere Lebenszeit entsprechend zu gestalten. Manchmal ist es gut, aus dem selbstgemachten Hamsterrad wieder auszusteigen und etwas langsamer weiterzugehen, um zu genießen, was ist.

LOVE
Claudia